Den Namen âWelsâ gibt es seit 1250 Jahren
Hintergrund
Mit der GrĂŒndung der Klöster Mondsee 748 durch Herzog Odilo und KremsmĂŒnster 777 durch Herzog Tassilo III. kam es zu einer weiteren Binnenkolonisation im heutigen Oberösterreich sĂŒdlich der Traun. Vor allem KremsmĂŒnster war entscheidend fĂŒr die weitere ErschlieĂung des Traungaues. Herzog Tassilo III. gelang es auch mit der Eroberung Karantaniens (Herzogtum auf dem Gebiet des heutigen KĂ€rnten und nördlichen Slowenien), die Ostgrenze entlang der Donau bis zu Kamp und Wienerwald vorzuschieben. Die Gegend um Wels war dadurch kein Grenzgebiet mehr.
Im Zuge der Unterwerfung des Langobardenreiches 774 durch Karl den GroĂen wurde auch die relative UnabhĂ€ngigkeit der Bajuwaren unter Herzog Tassilo III. schrittweise zerstört: Wichtige Meilensteine auf diesem Weg waren die Lehenspflicht 757, die Degradierung zum Lehensmann 787 und die Klosterhaft 788. Baiern wurde letztendlich in das FrĂ€nkische Reich integriert.
In dieser Zeit wird Wels erstmals wieder seit der Römerzeit â der damalige Name lautete bekanntlich Ovilava â genannt: In einer Schenkungsurkunde 776 des Grafen Machelms findet sich die Bezeichnung âcastrum Uuelesâ. Die Bedeutung der Urkunde liegt auch in einem der Zeugen: Der Heilige Virgil â Bischof von Salzburg â war zur BestĂ€tigung des Rechtsaktes in Wels anwesend.
Graf Machelm war ein Vertrauter Herzog Tassilos III. mit bedeutenden Beziehungen ins Frankenreich und groĂem Besitz im rheinischen Raum. In der Urkunde als âcomesâ bezeichnet, war er die politisch-militĂ€rische FĂŒhrungsfigur fĂŒr den Raum zwischen Salzach, Inn, Donau und Traun zwischen 772 und 783 und hatte sein Macht- und Verwaltungszentrum wahrscheinlich in Wels.
Castrum Uueles bedeutet vermutlich eine befestigte Siedlung, die sich im Raum des sĂŒdöstlichen Stadtplatzes befand, da hier neben den Resten der römischen Stadtmauer durch Traun und Sumpfgebiet ein natĂŒrlicher Schutz gegeben war. Die Bezeichnung zeigt aber die ĂŒberregionale Bedeutung, da im baierischen Raum nur Freising, Passau, Salzburg und Regensburg so genannt wurden.
Es gibt aber keinerlei Beleg fĂŒr eine Erstnennung der Burg Wels. Es könnte damit sogar die seit der Römerzeit bestehende Befestigungsanlage gemeint sein, die zu einem Wall aufgeschĂŒttet wurde und von der sich die Bezeichnung âRömerwallâ ableitet. Da aber nur ein kleiner Teil dieses 90 Hektar groĂen Gebietes besiedelt beziehungsweise landwirtschaftlich genutzt wurde, stellt sich die Frage des Zwecks dieser Befestigungsanlage. Bis eine bessere ErklĂ€rung gefunden und belegt ist, gilt die These des ehemaligen Stadtarchiv-Leiters Dr. Gilbert Trathnigg (1911-1970): Dieser war der Meinung, der Wall wĂ€re als Befestigung fĂŒr die bevorstehenden AwarenzĂŒge Karl des GroĂen geplant gewesen.
Da sich die vorhandene Siedlung im erweiterten Grenzgebiet befand, muss aber auch der Siedlungskern im SĂŒdosten des Stadtplatzes eine Verteidigungsanlage besessen haben. Diese konnte aber bis heute nicht nachgewiesen werden. Ein zweiter Siedlungskern könnte sich rund um die spĂ€tere Georgskapelle befunden haben: Deren VorgĂ€ngerbau lĂ€sst sich bis in die Zeit um 700 nachweisen und gilt als Eigenkirche: Das bedeutet, sie war im Besitz eines lokalen Adeligen.
Zitate
BĂŒrgermeister Dr. Andreas Rabl: â122 wurde Ovilava zum römischen âmunicipiumâ ernannt, 1222 erhielt Wels das Stadtrecht. Dazwischen liegt 776 mit der erstmaligen ErwĂ€hnung des Namens als âcastrum Uuelesâ. 1250 Jahre spĂ€ter ist Wels auf dem besten Weg hin zur höchsten LebensqualitĂ€t Ăsterreichs. Ich freue mich, fĂŒr eine so geschichtstrĂ€chtige und erfolgreiche Stadt arbeiten zu dĂŒrfen!â
Stadtrat Dr. Martin Oberndorfer (Wirtschaft und Wissen): âVor 1250 Jahren wurde der Name Wels erstmals als âcastrum Uuelesâ erwĂ€hnt. Das wissen wir durch eine Urkunde, welche die Jahrhunderte ĂŒberdauert hat und der Stadt als Faksimile vorliegt. Bei derartigen JubilĂ€en wird die Wichtigkeit historischer Archive bei der fachgerechten Aufbewahrung und korrekten Interpretation von Quellen besonders deutlich. In diesem Sinne danke ich dem Team des Stadtarchivs Wels fĂŒr die wertvolle Arbeit!â
Bildtext Gruppenbild: Stadtrat Dr. Martin Oberndorfer, BĂŒrgermeister Dr. Andreas Rabl und Mag. Michael Kitzmantel (Dienststelle Kultur und Wissen/Stadtarchiv) prĂ€sentieren das Faksimile der Urkunde mit der ersten ErwĂ€hnung von âcastrum Uuelesâ.
Bildhinweise: Stadt Wels (bei Nennung Abdruck honorarfrei).