Equal Pension Day: Differenz liegt weiter knapp unter 40 Prozent
Österreichweit fällt der Equal Pension Day heuer auf Sonntag, 9. August. Die Pensionsdifferenz beträgt aktuell 39,39 Prozent. Zum Vergleich: 2025 lag sie bei 39,75 Prozent, 2024 bei 40,09 Prozent und 2015 bei 43,27 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Schere somit lediglich um 0,36 Prozentpunkte geschlossen. Seit Beginn der Berechnung im Jahr 2015 beträgt die Verbesserung insgesamt nur 3,88 Prozentpunkte. Konkret bedeutet das, dass Frauen heuer umgerechnet 144 Tage weniger Pension erhalten als Männer. Wäre die Pension für Frauen und Männer gleich, würde dieser Tag auf den 31.12. fallen.
In Oberösterreich liegt der Unterschied momentan bei 44,79 Prozent (2025: 45,09 Prozent 2024: 45,35 Prozent, 2015: 48,49 Prozent). Insgesamt liegt die Verbesserung seit 2015 bei 3,70 Prozent quasi im Bundestrend, aber bei deutlich höherer Ausgangslage. Der oberösterreichische EPenD war am Montag, 20. Juli.
Wie zahlreiche weitere Städte beteiligt sich auch Wels an der vom Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes koordinierten Sensibilisierungs- und Informationskampagne. Am Equal Pension Day wird österreichweit ein Informationsvideo auf den Screens in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgestrahlt. Zusätzlich ist der Clip von Donnerstag, 6. bis Sonntag, 9. August im Programmkino im Medienkulturhaus sowie online auf YouTube unter youtu.be/TshasfDnDKs abrufbar.
Die Ursachen für die große Pensionslücke sind vielfältig. Das österreichische Pensionssystem orientiert sich an einer durchgehenden Vollzeitbeschäftigung ohne längere Erwerbsunterbrechungen. Davon profitieren in der Regel Männer. Zeiten der Karenz, Kinderbetreuung oder langjährige Teilzeitbeschäftigung wirken sich hingegen negativ auf die spätere Pensionshöhe aus. Bausteine für eine Veränderung dieser Situation sind Gleichstellung, gerechte Arbeitsbedingungen und gleiche Entlohnung für gleichwertige Arbeit. Dazu braucht es Lohntransparenz und Aufwertung der Frauenerwerbstätigkeit.
Weitere Bausteine sind das Pensionssplitting während Karenzzeiten und Phasen geringer Teilzeitbeschäftigung sowie eine gerechte Aufteilung unbezahlter Arbeit im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Dadurch können Frauen stärker am Erwerbsleben teilnehmen und höhere Pensionsansprüche aufbauen. Gleichzeitig profitieren Männer von einer aktiven Beteiligung an Kindererziehung und Haushaltsarbeit – durch mehr Zeit mit ihren Kindern, stärkere Vater-Kind-Beziehungen und häufig durch ein höheres gemeinsames Haushaltseinkommen. Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss daher für beide Elternteile gleichermaßen gelten. Mehr Pensionsgerechtigkeit kann nur durch bessere Rahmenbedingungen der angeführten Bausteine erreicht werden.
Die Folgen der Pensionsungleichheit sind gravierend: Frauen sind im Alter deutlich häufiger armutsgefährdet und oft finanziell vom Partner abhängig. Das erschwert ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb braucht es bessere Rahmenbedingungen, damit Frauen nicht in der Teilzeitfalle mit ihren langfristigen finanziellen Nachteilen landen. Finanzielle Unabhängigkeit ist zudem einer der wirksamsten Schutzfaktoren gegen Gewalt an Frauen. Wer über ein eigenes Einkommen verfügt, hat bessere Möglichkeiten, sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Frauenreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger: „Es ist ein wichtiges und ermutigendes Signal, dass sich die Schere wieder ein Stück weiter geschlossen hat, und es zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Jedes Prozent weniger bei der Pensionslücke bedeutet mehr finanzielle Unabhängigkeit und mehr gerechtes Einkommen für Frauen im Alter.“
Bildtext:
Frauenreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger und die städtische Frauenbeauftragte Claudia Glössl, MAS MSc MA mit dem Infomaterial zum Equal Pension Day 2026.
Bildhinweis: Stadt Wels (bei Nennung Abdruck honorarfrei).