WASSERTURM

Digitaler Architekturführer

der Stadt Wels

ArchitektIn/PlanerIn

.

.

Funktion

Wasserturm

Adresse

< Karte >

Am Zwinger

Errichtungsjahr

1577-1579

Periode

Renaissance

 Alte Architektur 


WASSERTURM

Der Wasserturm zählt zu den historisch interessantesten Bauten der Renaissancezeit. Errichtet wurde er im Auftrag des Stadtkammer- amtes in den Jahren 1577-1579 von Maurermeister Wolfgang Khranlachner, um die Stadt Wels mit Trink- und Löschwasser zu versorgen. Er liegt zwar an der Stadtmauer, hat aber niemals Verteidigungszwecken gedient.

 

Abb. 2

Als Experte wurde der Brunnenbaumeister Jörg Wagner aus Augsburg herangezogen. Im Innern des Turmes wurde ein Pumpwerk, angefertigt von dem Welser Uhrmacher Clement Rensch, installiert. Diese Anlage pumpte Wasser aus dem Mühlbach in einen Wasserbehälter im Turm, von dem aus durch Rohrleitungen die Stadtbrunnen, die landesfürstliche Burg Wels, das Rathaus und einzelne Bürgerhäuser versorgt wurden. Die Wasserqualität dürfte nicht besonders gut gewesen sein, da sich oberhalb am Mühlbach das Ledererviertel befunden hat. Die Leitungsrohre bestanden aus Blei, zum Teil aus Kupfer und vermutlich gab es auch Holzrohre aus dem Holz der Weißtanne, Fichte oder Eiche.

Besonders bemerkenswert sind die Renaissance- fassadenmalereien, angefertigt von Maler Niclas Linkh. Sie bestehen aus der gemalten Eck- quaderung, den ornamentalen Fensterum- rahmungen und dem Wappenfries an der Süd-, Ost- und Westseite des Turmes.

Die insgesamt 24 Wappen symbolisieren die verschiedenen Besitzungen des Hauses Habsburg im ausgehenden 16. Jahrhundert.

Abb. 3

Ostseite, Süd nach Nord:

Südseite, West nach Ost:

Westseite, Nord nach Süd:

1. Niederösterreich
2. Burgund
3. Oberösterreich
4. Kärnten
5. Steiermark
6. Tirol
7. Feldkirch
8. Herzogtum Krain
1. Königreich Dalmatien
2. Böhmen
3. Ungarn
4. Reichsadler
5. Hl. Römisch-Deutsches Reich
6. Königreich Aragonien
7. Königreich Kastilien
8. Österreich
1. Obere Lausitz
2. Niederschlesien
3. Mähren
4. Windische Mark
5. Triest
6. Görz
7. Schwaben
8. Elsass

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Wasserturm grundlegend restauriert.
Im Jahre 1927 bekommt der Welser Künstler Prof. Anton Hahn den Auftrag zur „Wiederherstellung der alten Malerei am Wasserturm mit wetter- beständiger roter Farbe“.
Im selben Jahr erteilt die Stadtgemeinde-Vorstehung der Welser Firma Hufnagl & Kehrer den Auftrag alle nötigen Arbeiten für die Elektrifizierung des Wasserturm vorzunehmen.

Abb.4
Wasserturm vor der Renovierung 1954

1954/55 werden die stark zerstörten Fresken von Hermann Schweigl restauriert und Professor Anton Hahn bringt am Wasserturm das Sgraffito eines Wassermannes an der ostseitigen Fassade an, das bis zur letzten Renovierung 1983 zu sehen war.

Das Pumpwerk im Wasserturm war bis ins 20. Jahrhundert in Betrieb. Heute befindet sich noch eine nicht mehr funktionsfähige Wasserpumpe darin, ansonsten ist der Wasserturm leer.

Die Jahreszahl 1587 der Inschrift auf dem Wasserturm ist falsch, sie müsste 1577 lauten.

Abb. 5


Quellennachweis:

©Text:
Stadtarchiv Wels, A.Sch. 2048 „Wasserturm – Bemalung 1927; Elektrifizierung 1927-1929“
Holter/Trathnigg, Wels von der Urzeit bis zur Gegenwart. 25. Jahrbuch des Musealvereines Wels 1984/85, 2.  
  Aufl., Wels 1986, S.140
Peter Oman, Skriptum „Der Welser Wasserturm“, verfasst 1998

© Fotos:
Abb. 1: Stadtarchiv Wels, Anita Wurm

Abb. 2: Magistrat Wels, Sieghart Schmotzer
Abb. 3: Stadtarchiv Wels, Elisabeth Erber
Abb. 4: Willi Jungmeier, Wels
Abb. 5: Karl Zaglmayer, Wels