MARIENKIRCHE

Digitaler Architekturführer

der Stadt Wels

ArchitektIn/PlanerIn

Markus Martin SPAZ

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Funktion

Kirche

Adresse

< Karte >

Herrengasse

Errichtungsjahr

1630/31

Periode

Barock

 Alte Architektur 


MARIENKIRCHE

Die Marienkirche ist heute unmittelbar eingebunden in die umliegenden Wohn- und Geschäfts- bauten. In nächster Nähe des verkehrsreichen Kreuzungsbereiches von Ringstraße und Adlerstraße gelegen, ist der Sakralbau zu einem Denkmal der innerstädtischen Entwicklung geworden.

Abb. 1
Ansicht von Westen (Foto, um 1900)
Kirche und Pförtnerhaus lagen direkt an der Straße. Ein schmaler Gang entlang der Kirche führte zum eigentlichen Kloster, einem fast quadratischen, zweigeschossigen Bau im Innenhof (später Pfarrhof). Kirche, Kloster und der sich daran anschließende Garten waren von einer Mauer umgeben.

Abb. 2
Marienkirche mit Mariensäule, Ansicht von Westen (Foto, um 1970)
Auf dem Pfründengrund der Pfarre wurden 1952 entlang der Adlerstraße 23 Geschäftslokale gebaut. Diese wurden im Zuge der Errichtung des Traunpark-Zentrums gemeinsam mit den ehemaligen Klosterbauten 1981 abgerissen.

1628 wurde im Zuge der Gegenreformation auf Initiative des Kremsmünsterer Abtes Antonius Wolfradt der Bettelorden der Kapuziner nach Wels berufen. Bereits 1629 erfolgte der Baubeginn des Klosters und ein Jahr später die Grundsteinlegung zur Kirche. Die seelsorgische Tätigkeit der Kapuziner nahm mit der Aufhebung des Klosters und der josephinischen Pfarrregulierung 1785 ein Ende. Die Kirche wurde zum geistlichen Zentrum der nunmehr die östliche und nördliche Vorstadt und zwölf Ortschaften umfassenden Vorstadtpfarre. Ein Teil des Klosters diente als Pfarrhof. Aufgrund neuer Pfarrgrenzen übernahm die Stadtpfarre 1968 die Vorstadtpfarrkirche als Rektoratskirche. Die im Laufe der Zeit an der Adlerstraße geschaffenen Geschäftslokale wurden im Zuge der Errichtung des Traunparkzentrums 1981 ebenso wie die ehemaligen Klosterbauten abgerissen.

Die in den Jahren 1630/31 errichtete Kirche war zu Ehren des hl. Bonaventura geweiht, im Zuge der Pfarrregulierung wurde die Patronanz auf Mariae Verkündigung geändert.
Die Planung und Ausführung der Bauarbeiten an der Kirche und am Kloster leitete der Linzer Baumeister Markus Martin Spaz.

Die Kirche besteht aus einem einschiffigen tonnengewölbten Langhaus mit einer begleitenden Seitenkapelle und einem eingezogenen, zwei- jochigen, gerade abgeschlossenen Chor mit Stichkappentonnengewölbe. Einzig das leicht profilierte Gesims im Langhaus akzentuiert den Innenraum.

Abb. 3
Blick vom Langhaus in den Chor (Foto, um 1900)
Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Hochalter und der Herz-Jesu-Altar, beide im Neuromanischen-Stil gehalten, errichtet. 1894 wurde in der Kirche eine Gasbeleuchtung installiert.

Abb. 4
Blick vom Langhaus in den Chor (Foto, 1993)
Die Ausstattung änderte sich in den Jahrhunderten ihres Bestehens mehrmals. Aus verschiedenen Kirchen kamen Einrichtungsgegenstände, wie die spätbarocke Kanzel (Spitalkirche, Linz) oder die Marmor-Kommunionbank (Minoritenkirche, Wels)

Die Fassade ist durch einfache Putzbänder und schmucklose Fensterrahmungen karg gegliedert. Die Flächigkeit wird deutlich betont, die tektonische und plastische Gestaltung dieser Absicht untergeordnet.
Der Bau entspricht in seiner Einfachheit dem Armutsideal des Kapuzinerordens, erweist sich in seiner Schlichtheit aber auch als typisches Werk des Frühbarocks.
Ende des 18. Jahrhunderts erhielt die Kirche einen kleinen Glockenturm und in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts einen gemauerten Vorbau. Gleichzeitig wurde das Dach zur heutigen Form erhöht sowie eine Nische über dem Kirchenportal geschaffen, welche seit 1959 eine Darstellung der Maria Immaculata beherbergt.

Abb. 5
Ansicht von Norden (Foto, 1993)
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchturm erneuert und das Dach zu seiner heutigen Form erhöht.

Abb. 6
Kirchenportal mit ehemaligem Pförtnerhaus, Ansicht von Nord-Westen, im Hintergrund Turm der Stadtpfarrkirche (Foto, um 1970)
Da der hölzerne Vorbau vor dem Kirchenportal sehr schadhaft war, entschloss man sich 1825 ihn durch einen gemauerten Vorbau zu ersetzten. Zwei Jahre später kam es zur Schaffung der sich darüber befindlichen Nische, in die zunächst das Bildnis des hl. Sebastian gestellt wurde. Seit 1959 beherbergt sie eine Darstellung Mariens.

Abb. 7
Projekt zur Vergrößerung der Vorstadtpfarrkirche, Wels (Ansichtskarte, 1932)
Der im Jahre 1932 gegründete „Verein zur Erhaltung, Verschönerung und Vergrößerung der Vorstadtpfarrkirche“ plante unter anderem eine Erweiterung der bestehenden Kirche in Ost-West-Richtung.


Quellennachweis:

© Literatur:
Grausgruber, Johann, Vom Kapuzinerkloster zur Pfarre St. Josef, in: 20. Jahrbuch des Musealvereines Wels, Wels 1976
Micko, Ingeborg, Marienkirche, in: Stadtpfarrkirche Wels, Ried 2000
Schindlbauer, Manfred, Das Kapuzinerkloster in Wels (1628-1795), Hausarbeit aus Geschichte, Wels 1965

© Fotos:
Stadtarchiv Wels (Foto: Elisabeth Erber): Abb. 4, 5
Stadtmuseum Wels: Abb. 1, 2, 3, 6, 7